Name: Rebekka Allemann
Geboren: 1972
Ausbildung: IT Projektleiterin
Beruf: Autorin, Podcasterin, Projektleiterin
Kinder: 2 Töchter, 18 und 16
Freizeit/Hobbies: Reisen, insbesondere Alleinreisen
Stärken: Analytisches Denken, Zuverlässigkeit, Resilienz
Sternzeichen: Jungfrau
Passion: Neue Perspektiven entdecken
Lebensmotto: "Klarheit vor Komplexität. Haltung vor Harmonie."
Fragen
1. Sie haben ein Buch geschrieben, worum geht es?
Es ist die Auseinandersetzung mit den langfristigen Konsequenzen internationaler Adoption, einem Thema, über das die Gesellschaft lieber schweigt. Es geht um die komplexen Fragen von Herkunft und Zugehörigkeit, die erst Jahrzehnte später an die Oberfläche dringen, wenn das adoptierte Kind längst erwachsen ist und beginnt, unbequeme Fragen zu stellen.
Das Buch deckt auf, welche Kollateralschäden entstehen, wenn Kinder zwischen Kulturen und Kontinenten verschoben werden. Es ist bewusst kein rührseliges Adoptionsmärchen, sondern eine Betrachtung der Gewalt, die aus Verlassenwerden und der lebenslangen Suche nach Identität entstehen kann.
"IMPORTKIND" ist nicht die Geschichte einer Adoption, es ist ein Buch, das aus der Adoption heraus entstanden ist. Ein wichtiger Unterschied.
2. Was hat Sie dazu bewegt, Ihre eigene Geschichte öffentlich zu erzählen?
Als der Bundesrat im Januar 2025 über ein geplantes Verbot internationaler Adoptionen informierte, entbrannte ein hochemotionaler gesellschaftlicher Diskurs, der schmerzhaft deutlich machte, dass wir erschreckend wenig über die langfristigen Folgen dieser Praxis wissen.
In dieser aufgeheizten Debatte fehlen die Stimmen derjenigen, die diese Folgen am eigenen Leib erfahren haben. Es wird Zeit, aus der Statistik herauszutreten und dem Thema ein Gesicht zu geben. Manchmal verlangt der Moment nach einer Geschichte, die unbequem ist, aber erzählt werden muss. Dieser Moment ist jetzt.
3. Wann wussten Sie, dass Sie ein Buch darüber schreiben möchten?
Ich schreibe, seit ich denken kann. Den entscheidenden Impuls gab dann die Dokumentarfilmerin Cristina Karrer mit ihrer Idee für einen Film über meine Geschichte, wobei der Fokus klar auf dem Thema Adoption liegen sollte. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich diese Teile meines Lebens noch nie gezielt aus diesem Blickwinkel betrachtet und aufgeschrieben hatte. Was als Vorbereitung für den Film begann, entwickelte sich zu etwas Grösserem.
Das Schreiben war schon immer da, aber manchmal braucht es einen äusseren Anstoss, um die richtigen Fragen zu stellen und die Geschichte zu finden, die erzählt werden muss.
4. Gab es einen besonderen Auslöser oder Moment, der Sie zur Veröffentlichung motiviert hat?
Es gab keinen einzelnen Auslöser, sondern eher eine Verdichtung verschiedener Faktoren. Die politische Debatte, mediale Aufmerksamkeit und persönliche Reife. Vor allem aber das Gefühl, dass Schweigen in diesem Moment nichts mehr schützt. Hinzu kommt ein glücklicher Zufall der Umstände. Seit 2023 befand ich mich in einem Sabbatical und hatte bereits einen Kriminalroman geschrieben, den ich zu veröffentlichen plante. Dann poppte dieses Projekt auf. Der Krimi liegt nun in der Schublade, weil "IMPORTKIND" ihn schlichtweg rechts überholt hat. Manchmal entscheidet das Leben selbst, welche Geschichte zuerst erzählt werden muss.
5. Wie hat sich Ihr Blick auf Ihre eigene Geschichte im Laufe der Jahre verändert?
Früher dachte ich, meine Geschichte sei privat. Inzwischen sehe ich, wie politisch sie ist. Was ich erlebt habe, ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems. Und dieses System funktioniert bis heute nur darum, weil Betroffene schweigen. Als Adoptierte aus einem anderen Kulturkreis wurde ich von Tag eins an an meine Andersartigkeit erinnert und redete sie mir lange schön.
Der Mantel des Schweigens lag aus diversen Gründen über meiner Lebensgeschichte. Aber mit zunehmendem Alter und mehr Lebenserfahrung wurde klar, wie viel Überanpassung in meiner Haltung steckte. Ich versuchte jahrelang, mich so glücklich zu geben, wie man es von mir erwartete, und niemanden mit unbequemen Fragen zu enttäuschen. Irgendwann stellte ich fest, dass vor lauter Rücksicht auf die Gefühle anderer meine eigenen verkümmert waren.
6. Wie haben Familie oder enge Freunde auf das Buch reagiert?
Meine Liebsten kannten Teile meiner Geschichte bereits. Mit dem Buch schliesst sich ein Kreis, der längst überfällig war. Sie lieben das Buch, insbesondere wegen des Schreibstils und des Humors. Es ist trotz aller Tragik ein humorvolles Buch geworden.
Auf die Reaktionen meiner leiblichen und meiner Adoptivfamilie nehme ich keine Rücksicht mehr. Rücksicht auf ihre Empfindlichkeiten hat mich lange genug vom Wesentlichen abgehalten. Es ist Zeit, diese Geschichte für mich und nicht für andere zu erzählen.
7. Wofür sind Sie heute dankbar?
Ich bin dankbar, mit einer gewissen Resilienz ausgestattet zu sein. Sie hat mir geholfen, im Vakuum zwischen zwei Kulturen zu überleben und das Gefühl der Nichtzugehörigkeit über Jahre auszuhalten.
Und ich bin dankbar für all die Menschen, die die Geduld aufbrachten, so lange hinzuschauen und hinzuhören, bis ich sie einen Blick hinter die Kulissen erhaschen liess. Diese Menschen haben verstanden, dass echte Nähe Zeit braucht und dass manche Geschichten nicht sofort erzählt werden können.
8. Haben Sie heute Träume oder Ziele im Leben?
Ich hatte nie einen Lebensentwurf und fange jetzt auch nicht mehr damit an. Das Leben hat mir gezeigt, dass Pläne oft Schall und Rauch sind.
Aber ich wünsche mir, dass meine fast erwachsenen Töchter gut gebunden und sicher leben können. Dass sie zu verantwortungsbewussten, selbstständigen Frauen heranwachsen können, ohne dass ihnen wegen ihrer Andersartigkeit oder weil sie Frauen sind Steine in den Weg gelegt werden.
9. Hatten Sie in Ihrer Laufbahn eine Person, die Sie stark gefördert hat? Wenn ja, was hat diese Person für Sie gemacht und wer ist das?
Nein. Ich war immer Einzelkämpferin und habe gelernt, mich in dieser Rolle zurechtzufinden. Irgendwann auch, mich darin wohlzufühlen.
Das mag nach einem Defizit klingen, aber es hat mich unabhängig gemacht. Ich musste früh lernen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und für die Konsequenzen einzustehen.
10. Welchen Rat geben SIe heute jungen Frauen?
Behaltet alle Eigenschaften, die euch als weiblich zugeschrieben werden und eignet euch eine an, die man traditionell für männlich hält: die Fähigkeit zu verhandeln.
Erkennt euren Wert und fordert ein, was euch zusteht.
Und hört auf, euch für eure Bedürfnisse zu entschuldigen. Die Welt braucht starke Frauen, die wissen, was sie wollen, und den Mut haben, danach zu greifen.
Name des Buches: IMPORTKIND
Autorin: Hanbekks, Rebekka Allemann
Webseite: hanbekks.ch
Erhältlich: Überall im Buchhandel und beim VOIMA Verlag am See
Bildquelle: Rebekka Allemann und VOIMA VERLAG am See















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